stasi kind 1961

22.11.2013


Buch in Arbeit = aktualisiert am 16.01.2015

 

Zur Autorin

Die Autorin wurde 1961 in Thüringe geboren.

Übte später die Berufe Uhrmacherin und Sekretärin aus, bis sie späterhin, gesundheitsbedingt, in Frührente ging.

Seit 2001 wohnt sie in Berlin; nun ihr neue Wahl-HEIMAT.

Der Malerei hat sich die Autorin, seit ca. 2010, autodidaktisch verschrieben.

Sie schreibt seit 1994 Gedichte und verarbeitet darin ihre schikanierte Kindheit.

Die Autorin möchte den Menschen nahe bringen,  keine Angst vor sich selbst zu haben. Sie sollen/dürfen gar den Mut haben/finden, sich zu trauen, sie selbst zu ein, losgelöst vom Über-Ich der Eltern, der kranken Moral eventueller Moralapostel oder gar Politiker/Kirche. Sie sagt aber auch den Menschen im Osten und Westen Deutschlands, dass sie Ihre Mauer in den Köpfen ablegen mögen und sich  in Freundschaft zu begegnen.

Den Müttern möchte sie sagen: „Liebt eure Kinder so wie sie sind, ihr habt nur diese und dieses eine Leben: Eure Kinder sind Euer Spiegel. Gebt ihnen starke Wurzeln der Standfestigkeit und stabile Flügel, für einen sicheren Flug in ihr eigenes Leben!“.

Ganz besonders möchte die Autorin jedoch auch den missbrauchten (physisch wie psychisch) Mädchen und Jungen, sowie Frauen und Männern sagen, dass sie nicht Schuld daran sind, was ihnen widerfahren ist!

 

 

Danksagung

 

Ich möchte ich bei meinen beiden Söhnen bedanken.

Dieses Buch widme ich Euch, in der Hoffnung, dass Ihr noch mehr versteht….

 

Danke, dass Ihr all das die Jahre über ausgehalten und mit getragen habt.

Danke, dass Ihr meine Söhne seid.

 

Ich liebe Euch.

 

Eure Mutter

 

Mein Dank gilt auch Lutz, ein Fotograf aus Berlin, der mich mit der Autorin Ruth aus Hamburg, bekannt machte, die das Buch „Stasi-Kinder“ geschrieben  hat und  in Zusammenarbeit mit mir, einen Kurzbericht über meine Kindheit im „STERN“ in 2013 veröffentlichte.

 

Mein Dank gilt auch all jenen, die mich darin bestärkt haben, meine Lebensgeschichte zu veröffentlichen und mir stets Mut zusprachen.

 

Speziell danke ich Dir Knut. Du hast immer an mich geglaubt.

 

 

 

 

Einleitung

Ich habe mich oft gefragt, ob ich, als Stasi-Kind, alleine auf dieser Welt, mit all den Problemen, bin. Wo sind denn all die Stasi-Kinder nach dem Fall der Mauer geblieben? Dass es sie gibt, war/ist mir klar. Gleichzeitig fragte ich mich immer, ob sie die gleiche „Erziehung“ über sich ergehen lassen mussten oder ob es nur mir alleine so ginge. Vielleicht bin ja ich das Problem und nicht die Anderen? Diese Zweifel ließen mich lange nicht los. Die Schuldgefühle erst recht nicht. Gut, letztere bin ich, dank meiner Psychotherapien, los geworden, was ja schon an sich ein harter Kampf war, denn sie waren größer als ich, jene schweren Steine, die nicht nur meinen Weg säumten, sondern auch mitten auf selbigen lagen und die ich mir vornahm wegzuräumen, ohne jemals, also vor der Beginn der Therapie, zu wissen, dass sich dahinter noch größere, noch spitzere Steine, gar Felsen, nein, ich untertreibe (!), ganze Gebirge an Problemen, Erinnerungen, Gefühlsausbrüchen bis hin zur Fast-Alkoholikerin verbargen. Dazu später mehr

Ich schreibe dieses Buch nicht nur für meine Söhne, sondern auch für all die Stasi-Kinder da draußen. Es gibt uns. Das kann keiner leugnen und wir werden bis zu unserem Tode an den Traumata zu knappern haben. Wir alle können noch so viele Therapien machen, aber die seelische Folter der Stasi können und werden wir nicht vergessen, zu tief sitzen die Anker. Dank der Therapien kann ich heute anders damit umgehen, sodass ich keine Suizidgedanken mehr und nicht mehr saufe!

Mir tut die Enkelkinder-Generation, dieser Stasi-Eltern leid, die ja auch in die Probleme involviert sind, ob sie das nun wollen oder nicht. Koste es, was es wolle; zu ihrem Leidwesen. Die einen leiden mehr, die anderen weniger, ganz nach Gusto der Stasi-Eltern-Generation. Es liegt also an unserer Generation, dass zumindest die Enkelkinder einigermaßen psychisch gesund aus der Sache rauskommen. Ich werde sehen und bin gespannt, wie das mit der Ur-Enkel-Generation sein wird, denn noch sind meine Enkel zu klein, um zu verstehen, wieso Uroma und Uropa so sind, wie sie sind.

Fakt ist: auch sie beginnen schon Fragen zu stellen.

 

Aktuelle Kamera und schwarzer Kanal

 

Wir mussten jeden Abend um 19.30 Uhr zu Hause sein, um die „aktuelle Kamera“, die DDR Abendnachrichten, zu sehen. Wir mussten höllisch aufpassen, denn wir wurden zwischendurch auch mal abgefragt, was wir gerade gesehen hätten, um zu prüfen, ob wir auch bei der Sache seien. Waren DDR Politiker in den Nachrichten zu sehen, wurden wir gefragt, wie sie heißen. Wussten wir das nicht, gab es verbale Schelte und Demütigungen. Auch meine Mutter blieb davon nicht verschont. Je nachdem, wie er drauf war, mussten wir uns dann im Anschluss seiner politischen Gehirnwäsche unterziehen. Er hatte ja die Verhörmethoden drauf, schließlich war er ja bei der Firma.

Gleichsam war es mit der DDR Hetzsendung „der schwarze Kanal“. Da ist ER ja zu Höchstformen aufgelaufen, wie gefährlich der imperialistische Feind aus der BRD sein und die DDR miss sich gegen den Kapitalismus wehen und wie wichtig es sei, dass ein jeder Genosse seine Pflicht für das sozialistische Vaterland zu erfüllen habe. Nur so könne man die DDR stärken. Das tragische ist, ich habe ihm genau das geglaubt. Genossen sind gute Menschen, die gutes für die DDR leisten.

 

Alkoholkonsum

Er trank jeden Tag seine 3-5 Biere und wie jeder Alkoholiker sich das schön redet, so auch er. Natürlich verlor er dann auch gerne mal die Contenance. Sie stritten dann, schmissen Türen, schrien sich die allerschlimmsten Schimpfwörter an den Kopf. Eine Hölle für jedes Kind. Oft waren seine Kollege da und der Rausch der Herren nahm seinen Lauf. Ich hatte immer Angst vor diesen betrunkenen Männern. In der DDR wurde bekanntlich viel getrunken, gerade unter Staatsdienern. Kein Wunder, bei dem politischen Druck.  Da in dem Eingang, in dem wir wohnten, nur Stasi-Leute wohnte und man eine gute nachbarschaftliche Kontakte pflegte, wurde jeder Anlass zu einer Hausgemeinschafsfeier genutzt, sei es die Geburt eines Kindes, oder ein Geburtstag oder ein Hochzeitstag oder oder oder – selbst meinen Polterabend feierte ich dort. Heute sage ich  ir: Macht der Gewohnheit.

 

Am Esstisch

Am Esstisch wurde geschwiegen oder politische Reden geschwungen. Natürlich wurde auch gelacht. Also lachte ich mit. Ich wollte ja als Kind nicht nur schreckliches erleben, sondern auch die angenehmen Dinge eines Familienlebens mitnehmen. Saß ich krumm, stieß meine Mutter böse und vorwurfsvoll ihren Zeigefinger in den Rücken. „Sitz gerade“ lautete ihr Befehl. Ich wurde angebellt, wie wenn sie einen Hund abrichten wollte „was sollen denn die Leute denken, wenn wir mal in einem Restaurant essen gehen“. Ihre einzige Sorge war nämlich stets ihre Außenwirkung und wie Andere ihren Erziehungsstil bewerten KÖNNTEN. Natürlich tat mir ihr Zeigefinger im Rücken weh, hate ich doch schon damals Haltungsschwächen und Probleme mit der Wirbelsäule, die viel zu gebogen war, was dann auch den sogenannten „Buckel“ hervorrief, wenn ich also krumm saß und in diesen „Buckel“ meine Mutter ihren bohrenden, steckenden Zeigefinger genüsslich, dabei drehend, in meinen Rücken bohrte. „Hab dich nicht so“ hieß es gerne mal, wenn sich mein Gesicht schmerzerfüllt verzog. Gerne gab sie, wenn ich Tränen ausbrach, eine Ohrfeige, mit dem begleitenden Satz „jetzt hast du einen echten Grund zum Heulen“ – NA DANN GUTEN APPETIT! Natürlich wurde auch alles aufgegessen, was auf den Teller. Verschwendung war eine Todsünde. So saßen mein Bruder und/oder ich auch mal stundenlang am Tisch, weil wir den Teller leer essen mussten, ob wir satt waren oder nicht und wir aus Ekel das Mahl schon nicht mehr herunter bekommen, war Madam so was von egal. Oftmals mussten wir uns dann im Nachhinein übergeben.  Besonders eklig fand ich den Geruch von Rosenkohl, Sellerie und eine Zeitlang auch von Pilzen. Aber mein Ekel wurde ignoriert auf Teufel komme raus und ich hatte diese Speisen eben leer zu essen. Es gab von ihrer Seite aus auch kein Einsehen, wieso sie dies bei der nächsten Mahlzeit anders handhaben sollte. Also gewöhnte ich mir an, kleine Portionen auf den Teller zu legen. Besonders Leid tat mir mein Bruder. Er hatte eine Nudel-Ekel-Phase. Wie er da über dem Klo hing und die Restnudeln, und seinen Ekel gleich mit hinterher, rauskotze.

 

Angst vorm Verlieben

Da mein Stiefvater ja stets um seinen Ruf und seine Karriere bedacht war, wurde mir ja bei Zeiten eingetrichtert, dass ich  mir einen kaderpolitisch korrekten Mann zu suchen hätte, das heißt, ein Mann, der keine Westverwandtschaft hat, der möglichst in der Partei ist, der keine Westmedien konsumiert, jedoch seine ganze ganzen Familie auch; also kein einziges faules „Ei“ wird geduldet. Mir ist auch ständig gesagt, worden, wenn ich nicht spurte, dann würde ich ins Heim gesteckt. Wenn ich vor dem 18. Lebensjahr schwanger würde, würde ich ins Heim gehen.

So traute ich mich nicht unbedingt mit Jungs abzugeben, weil mir ja klar war, was die dann irgendwann wollten (ich natürlich auch) und ich schon früh wusste, dass meine Mutter mir nie die Pille erlauben würde.

Zuerst verliebte ich mich in Otto. Otto wohnte im Nebeneingang. Sein Vater arbeitete bei der Deutschen Reichsbahn. Die Mutter eher eine Ruhige. Das war der Sommer 75. Otto war groß, schlank und hatte blonde, längere Haare. Wir gingen miteinander. So sagten wir das damals. Ich war zum ersten Mal verliebt. Wir gingen viel spazieren. Zuhause ging es ja irgendwie nicht und das findet man als Teenie auch nicht so sonderlich toll. Zudem ich mit meinem Bruder ein 10 qm großes Zimmer teilen musste. Gut, Otto war Einzelkind – aber all das war uns egal. Wir waren jung. Es war Sommer. Also gingen wir in den Wald spazieren, der hinter unserem Plattenbau-Block begann oder wir legten uns auf die Wiese einer Lichtung oder wir gingen ins Kino, letzte Reihe. Wer kennt das nicht aus seiner Teeniezeit.  Alles war schön. Alles war toll. Meine Eltern betrachteten das Ganze mir Argwohn, ließen mich aber gewähren. Selbstverständlich mit den täglichen Berichten, wo ich war, was ich getan habe. Sie müssen höllische Angst gehabt haben, ob ich schon Sex hatte oder  nicht. Ich hatte nicht. Ich hatte nie mit Otto. Ich erinnere mich an eine peinliche Begebenheit. Die Fenster unserer Kinderzimmer waren nur wenige Meter voneinander getrennt. Ich schaute an jenem Abend aus dem Fenster raus, er auch. Er fragte „Kommste rüber?“ was bedeutete, wir stellen uns ein bisschen unten im Eingang, in seinem Eingang hin, vor den Briefkästen unten. Es regnete und so waren Spaziergänge nicht machbar. Um meinen Kurzbesuch bei ihm vor meinen Eltern zu tarnen, gab ich vor Müll wegzubringen. Klasse! Das hat ja schon mal geklappt. Ich ging dann zu Otto und wir freuten uns zu sehen. Wir lagen und verliebt in den Augen, da es schon späterer Abend war, genossen wir die Dunkelheit und schmusten und küssten rum. Wir vergaßen die Zeit, verliebt wie wir waren. Ach was war ich damals verliebt. Ich spürte aber auch, dass er langsam mehr wollte. Er war 2 Jahre älter als ich. Ging schon in die Lehre, wollte auch Bahner werden, wie sein Vater. Plötzlich werden wir aus unserer rosa roten Wolke gerissen. Meine Mutter! Sie hämmert an die Haustüre, von außen, ich erkenne, durch die mit einer Scheibengardine behangene Türe, ihren wutentbrannten, aufgebrachten Blick. Sie klopfte aufs heftigste an die Tür. Wir erschraken. Otto öffnete zaghaft die Tür. Meine Mutter packte mich feste am Arm „mach dass du sofort nach Hause kommst, sonst vergesse ich mich!“. Sie entriss mich Ottos Armen. Wie lange wir beide dort so verliebt standen? Nun, es muss wohl auffallend zu lange gewesen sein. Ich war 15 und verliebt und in meiner Scham versank ich in dem Moment bis sonst wohin. Immerhin hatte ich mich mal getraut, etwas Verbotenes zu tun. Wow! Ich bekam Stubenarrest. Zwei Wochen. Ich negierte das allerdings. Am nächsten Tag traf ich Otto zum ersten Mal in der Wohnung seiner Eltern. Er habe sturmfrei und so können wir uns doch mal einen schönen Nachmittag bei ihm machen. Ich fand es toll, hatte zugleich Angst, dass er nun endgültig mit mir schlafen wollte. Wir waren jetzt schon zwei Monate zusammen. Auf dem Sofa küssten und liebkosten wir uns. Er Zog mir zunächst das Shirt aus, dann den BH. Dann plötzlich! Panik! Ich war noch nicht soweit! Ich weinte und zog mich eiligst an und rannte nach Hause. Wir sahen uns ein paar Tage  nicht, da ihm das Ganze nicht passte und er genervt war. Mich hatte das natürlich sehr verletzt. Ein paar Tage später wollte er mich zum Gespräch treffen. Wir liefen spazieren und da eröffnete er mir, dass er mit Anja, Michaela und Gerda geredet hat und sie ihm sagten, dass wir beide nicht zusammen passten du er daher mit mir Schluss mache. Wie es mir in dem Moment ging, kann sich sicher jeder denken, Ich litt, denn diese drei Mädels waren bis dato meine besten Freundinnen! Ich habe sie nie zur Rede gestellt, ich hatte damals kaum Selbstbewusstsein und starke Minderwertigkeitskomplexe.

Nach O. lernte ich meine Romanze Igor kennen. Ein russischer Offizier. In meiner Heimatstadt gab es zwei russische Garnisonen. Unser Platenbau stand unweit von einer solchen Kaserne. Von meinem Fenster aus hatte ich einen freien Blick auf die Stuben der Soldaten. Luftlinie 80 m. Da wir im Hof keinen Block vor dem unsrigen zu stehen hatten, konnte ich die Soldaten beim Frühsport beobachten. Sommer wie Winter mit freiem Oberkörper rannten sie im Dauerlauf durch das Wohngebiet. Sie mussten oft singen. Ihre Rufe, Musik, Klänge, Märsche und die Schreie der Offiziere waren zu hören und drangen bis in unser Zimmer. Die Kaserne hatte weiter oben auf dem Feuerberg eine kleine Schweinemastanlage. Nichts Besonderes, typische russische Holzverschläge eben, einen Stall und eine kleine Hütte, in denen immer zwei Soldaten lebten, die Schweinehirten also und ein Offizier, der die Soldaten beaufsichtigte. Die Besatzung wechselte immer mal. Einer dieser russischen Offiziere war Igor. Ich war 15. Er 25. Ein bildschöner Mann. Groß. Schlank. Blaue Augen. Ich spazierte oft den Berg hinauf, vorbei an den Maisfeldern, den beginnenden Wald rechts und links des Weges und am Schweinestall vorbei. Ich liebte diesen Weg, diese Stille, weg von zu Hause. Ich ganz alleine mit mir. Ab und zu kann eine Freundin mit, aber ich war auch oft gerne alleine dort spazieren. Einfach nur ich mit mir.

Die Soldaten pfiffen mir hinter her. War ein älterer Offizier im Dienst, pfiff er seine Soldaten zusammen du sie zogen sich geduckt zurück. Irgendwann war Igor da. Igor war nett zu mir. Er sprach mich an. Anfangs ging ich noch schüchtern vorbei, wurde ich doch immer vor den Russen gewarnt, was die alles so trieben was für Bestien sie waren. Er gefiel mir einfach. So gingen wir dann, ab du zu, den Waldweg gemeinsam weiter und unterhielten uns. Die Schmetterlinge flogen nur so. Es war eine wundervolle Flirterei. Es war Sommer und warm und ich war verknallt. Es durfte natürlich keiner mitbekommen, wollte ich doch nicht eines on den verschiedenen Russenhuren sein. Das waren Frauen, die sich mit russischen Offizieren einließen und (ach wie schlimm…) ein Kind von ihnen bekamen. Ich schlich mich auch immer den Weg entlang, damit meine Eltern nichts mitbekamen.

Igor und ich verabredeten uns auch, wenn er keinen Schweinestall-Dienst hatte und schlenderten im Wald umher. Wir lachten und flirteten und unsere Welt war für uns damit in Ordnung. Irgendwann wollte er mir näher kommen, was mir gar nicht passte, dann sagte ich dann forsch комендатура!!!, was Kommandantur heißt. (Eine Kommandantur ist die Kommandobehörde, sie besteht aus dem Kommandanten und seinem Stab. Oft wird auch das Dienstgebäude dieser Behörde Kommandantur genannt.) Mehr Nähe, als mal in den Arm genommen zu waren, konnte ich mir in dem Alter eh nicht vorstellen, zumal mir ja immer wieder zu Hause eingetrichtert wurde „Wenn du vor dem 18. Lebensjahr schwanger wirst, stecken wir dich ins Heim“ – also konnte ich so oder so eh mit keinem Jungen weiter gehen und meine Angst vor dem ersten Mal war eh ins unermessliche gewachsen.

Für mich war das der schönste Sommer meines Lebens. Eine solche Leichtigkeit des Seins habe ich seither mit keinem Mann je mehr erlebt.

Irgendwann bekamen meine Eltern mit, wohin ich mich immer so klamm und heimlich ich mich hinschlich. So wurde mein Halbruder, zum Spionieren, auf mich angesetzt. Er war also ab da an immer mit dabei. Ich konnte mich mit Igor zwar noch über alles unterhalten, was auch öfter mal mit „Händen und Füßen“ geschah, aber immerhin. Nähe war ab dann aber nicht mehr möglich. Mein Bruder war damals 12 und ein guter Spion seiner Eltern. So bekam ich immer öfter Schwierigkeiten mit meinen Eltern und das „Schweinestall-Verbot“ wurde ausgesprochen. Ich hielt mich eine Weile dran, aber vergessen konnte und wollte ich Igor nicht.

In unserem Wohngebiet gab es ein russisches Kasino, eine Restaurant namens „дружба“ (Freundschaft). Meine neue Freundin Conny erzählte mir, dass dort jeden Samstag Disko war. Also sind wir hin. Sie hatte auch sehr strenge Eltern, wie ich und so waren wir äußerst glücklich, dass wir wenigstens dorthin durften. Es waren ältere russische Paare da, Offiziere mit ihren Frauen du Kindern und etliche junge Offizier und ja ja ja plötzlich war er da! Igor! Zwei Wochen hatten wir uns nicht gesehen und er war, einfach so. Er war da! Ich war so glücklich. Wir tanzten und waren glücklich. Conny fand auch schnell einen Tanzpartner du wir genossen den Abend. Es war langsam Herbst geworden und so war die Disko unser neuer Treffpunkt. Bis zu jenem Abend… Es war schon Winter. Wir feierten meinen 16. Geburtstag. Es war schon später und ich musste ja eh um 22 Uhr zu Hause sein. Igor wollte mich ein Stück des Weges begleiten. Wir gingen extra einen Umweg, dieser war recht dunkel, was mich nicht störte, fühlte ich mich an seiner Seite eh sicher. Wir umarmten uns  zwischendurch, lachten, küssten uns das erste Mal so richtig leidenschaftlich. Ach Wolke sieben, du schwebtest do wohlig über mir damals und das mitten im Winter, Ende Januar. Plötzlich kommt meine Mutter wie eine wildgewordene Furie um die Ecke, brüllt los was ich da mache, Flittchen und und und und… sie riss mich aus seinen Armen du schrie Igor an, ob er wisse, wie alt ist sei und das dies Konsequenzen haben wird für ihn. Er verstand nicht, zuckte mit den Schultern. Meine Mutter keifte ihn an, dass er schon verstanden habe und dann verschwand Igor im Dunkeln der Nacht in Richtung Kaserne.

Ich habe ihn nie nie nie nie widergesehen. Meine Mutter hatte mir meine Geburtstagsfeier so richtig versaut. Diesen Schmerz kann ich bis heute nicht in Worte fassen.

Im gleichen Jahr, in den Sommerferien, lernte ich Hung, einen vietnamesischer Gastarbeiter, kennen. Meine Freundin Conny und ich gingen zu der Zeit gerne und viel in der Stadt spazieren. Einen Schaufensterbummel machen und da der Stadtpark gleich in der Nähe war, in dessen Mitte sich ein wunderschöner kleiner See befand, umzäunt von Bänken zum Verweilen, gingen wir dann auch gerne noch an den See zum Enten füttern. Als wir so auf der Bank saßen und den Enten beim Fressen zusahen, bemerkten wir zwei vietnamesische junge Männer auf uns zu kommen. Hung und Thien kamen auf uns zu und setzten sich zu uns. Alles war ganz locker und fröhlich. Wir unterhielten uns ganz normal, stellten uns einander vor und sprachen dann über die politische Lage in Vietnam, hatten sich doch gerade erst Süd- und Nord-Vietnam vereinigt. Die beiden erzählten uns von dem entbehrungsreichen Leben ihrer Familien in Vietnam, wie sie den Krieg überlebt haben, von ihrer Arbeit in der DDR. Hung berichtete mir, dass von seiner Familie nur seine Oma überlebte, die in einem Erdloch lebe. Ich habe mit ihm viele politische Gespräche geführt. Ab und zu gingen wir vier zur Disco oder ich traf Hung alleine und wir schlenderten Hand in Hand durch die Stadt. Für mich fühle sich das gut an. Ich war schon damals ein Mensch, der jeden annahm, wie er ist, unabhängig welcher Herkunft. Ich war schon immer ein Menschenfreund und so war es mir selbstverständlich egal, was die Leute dachten. Allerdings sollte auch dieses kleine Glück abrupt zu Endes ein. Eines Tages kam meine Mutter von der Arbeit nach Hause, schnaufte vor Wut, betrat die Wohnung eie eine Furie und schrie mich an, was ich mit einem Vietnamesen, Hand in Hand, in der Stadt zu suchen hätte. Ich war völlig verstört und schockiert, zum einem, wegen des wütenden Furien-Auftrittes, zum anderen, woher wusste sie das. Sie eröffnete mir, dass eine Kollegin uns gesehen hat, die zu ihr meinte, wie es sein könne, dass ausgerechnet ihre Tochter mit einem Ausländer geht, wo doch gerade sie in der letzten Parteiversammlung noch getönt habe, dass ihre Tochter so was nie tun würde….

„Weißt du, wie ich mich geschämt habe…“ schrie sie mir ins Gesicht „Du hast vier Wochen Stubenarrest“ Ein paar Tage stand Conny vor der Tür und bettelte, dass sie mit mir ins „дружба“ (Freundschaft)gehen könne, sie wolle mit mir mal wieder Pelmeni essen gehen. (Pelmeni sind mit Fleisch gefüllte Teigtaschen.)Wir hatten uns das vorher so besprochen, dass sie das sagen soll und es hat geklappt. Ich durfte raus und wir gingen schnurstracks zu dem Arbeiterwohnheim, nahe dem Bahnhof. Der Pförtner verlange unsere Personalausweise, da schwante mir schon nichts Gutes, hatte ich doch schlechte Erfahrungen, betreffs Igors Verschwindens, gemacht. Der Pförtner telefonierte kurz, mit wem auch immer rund sagte,  dass doch tatsächlich, dass  Hung und Thien nicht mehr da seien. Wir gingen verstört nach Hause, haben die Welt nicht mehr verstanden und sahen die beiden nie mehr wieder. Das mit Hung war eine sehr schöne Liebelei, mehr eine Freundschaft, mit sehr viel Respekt.

Zwei Wochen später lernte ich Jens kennen. Ich schlenderte an einem Sonntag, alleine durch Zentrum. Auf dem Marktlatz stand ein großer dicker Baum, um dessen Stamm, im Quadrat, eine Sitzbank gebaut war. Ich setze mich hin und beobachte die Leute. Die Leute studieren, mit all ihren Facetten und ihre Körpersprache zu verstehen. Jens nahm ich so im Augenwinkel wahr. Seine Soldatenuniform war ja letztlich nicht zu übersehen. Er kam auf mich zu und fragte höflich, ob er sich zu mir setzen dürfe. Ich bejahe und schon saßen wir beieinander. Wir unterhielten uns und fanden uns gleich sympathisch. Er gab mir die Adresse on seiner Kaserne und wir verabredeten uns für den kommenden Samstag und planten ins Kino zu gehen. Wir schrieben uns Briefe bis dahin. Einfach so, nichts Besonderes. Meine Mission war es nun, herauszufinden, ob er Westverwandtschaft hat, denn dann hätte ich mir den Kontakt eh sparen können. Ich hätte mich mit 15 nicht für ihn und gegen meine Familie entscheiden können und ins Heim wollte ich erst recht nicht. Plötzlich stellte ich fest, dass meine Briefe von ihm, die ich in meinem Kleiderschrank versteckte, gelesen wurden. Sie lagen nicht mehr so da, wie ich sie hinlegte. Ich fragte meine Mutter, ob sie das gewesen sei. Sie sagte nur lapidar, dass ich mich nicht so haben solle. Ich war außer mir vor Wut auf sie. Ich fühlte mich so sehr verletzt und in meiner Intimsphäre so sehr gestört, das ich kaum Worte dafür fand. Fazit: Jens war zum nächsten Treffpunkt nicht mehr gekommen und es kam nie mehr ein Brief von ihm und meine Briefe, die ich anfangs noch schrieb, blieben unbeantwortet. Mir wurde suggeriert, dass er Frau und Kinder habe. Damals habe ich das gar nicht wahrgenommen, woher sie das wohl wüssten.

Das musste ich erst mal alles verarbeiten.

Ich hatte so sehr die Nase voll vom verlieben und beschloss für zwei Jahre mindestens mit keinem Jungen mehr Kontakt haben zu wollen. Ich glaubte, mich so ganz gut vor den prüfenden Fragen nach Westverwandtschaft schützen zu können und auch der Peinlichkeit jener Aktion, wenn das der Junge raus bekommen hätte, wie hätte ich denn da gestanden.

Interessenten gab es genug. Ich war schlank, wohl proportioniert, mehr als pandere Mädchen meiner Kasse. Keiner schaffte es mich umzustimmen. Da war aus meiner Klasse der Dietmar, er wurde das Riesenbaby genannt, weil er so groß war, etwas untersetzt und etwas tapsig lief. Er war so sehr in mich verliebt, dass er jeden Morgen vor meiner Tür stand, um mich zur Schule zu begleiten. Er hatte einen sehr weiten Schulweg, gute 2 km und kam dann noch extra bis zu unserem Plattenbau, der letzte im Wohngebiet. Dabei wollte ich gar nichts von ihm. Er war für mich potthässlich und mich nervte sein allmorgendlicher Auftritt. Meine Eltern war er so dermaßen peinlich und fragten mich, ob ich mit dem gehe, ich verneinte natürlich „er ist in mich total verliebt, aber ich will nichts von ihm“. Manchmal scheuchten sie ihn sogar vor dem Eingang weg, damit ich in Ruhe alleine zur Schule gehen konnte, aber meist passte er mich auf dem Schulweg ab

Ich lief dann mit ihm doch gemeinsam zur Schule, weil er mir irgendwie Leid tat, machte ihm aber keine Avancen.  Nach drei Wochen des Hin und Her, nahm ich mir allen Mut zusammen und schenkte ihm reinen Wein ein. Ich habe nie was von ihm gewollt und sei nur aus Höflichkeit mit ihm den Schulweg gelaufen. Er sei nicht mein Typ und möge mich bitte nicht mehr belästigen.  Nun begann der Horror mit dem „ich kann ohne dich nicht leben“ oder „ich bringe mich um“. Ein Klassenkamerad meinte noch, ich solle doch 2-3 Wochen mit ihm gehen und dann könne ich ja mit ihm Schluss machen. Das kam so gar nicht für mich in Frage, denn ich bin immer ein geradlinig ehrlicher Mensch gewesen. Er hatte so was Schleimendes an sich, wo es einen so schon der Magen innerlich umdreht.

Was war ich erleichtert, als ich DEN hinter mir lassen konnte. In der Klasse ließ er mich auch fortan in Ruhe und als Gras über die Sache gewachsen war, hatten wir auch einen normalen Umgang miteinander. In der Zwischenzeit aber, verliebte ich mit in seinen Banknachbarn, namens Alfons. Er war schlackig, schlank, lange blonde Haare, Brille, gefühlte 5 Dioptrien und Streber. Er wollte mal Offizier der NVA werden und studieren. Da er im Astrologie- und Englischkurs war, meldete ich mich da auch an. An Beidem hatte ich überhaupt kein Interesse, nur an Alfons. Alfons aber nicht an mir. Da hatten wir also das nächste Dilemma. So schwärmte ich weiter von Alfons, was sich dann aber, im Laufe der Zeit, wieder legte. Na gut, es dauerte schon eine Weile seine kalte Schulter zu akzeptieren.

Ich hatte dann beschlossen, 2 Jahre keine Jungs mehr zu daten.

Unsere Clique hatte in Nachbardorf einen Jugendclub. Es war eine flache, längliche Baracke. Im Innenhof des Geländes befand sich ein kleiner hölzerner Schuppen. Wir haben dort viel gefeiert und getanzt und die Jungs waren scharf auf mich. Ich hatte ja meinen Schwur abgelegt, 2 Jahre keine Jungs mehr und wenn dann nur mit dem zukünftigen Vater meiner zukünftigen Kinder.

Gesagt getan. Ich befand mich dann im 2. Lehrjahr, ich war 17, als mein Betrieb mit einem Grenzregiment einen Patenschaftsvertrag abschloss, in dem die Grenzer versprachen der Brigade zu helfen, wenn Not am Manne sei und im Gegenzuge dürfen dann immer ml ein paar Mädels aus der Brigade ins Grenzregiment, welches sich im Grenzgebiet befand, kommen. Die erste Einladung folgte auf dem Fuße. 10 Mädchen waren eingeladen, die passten alle in den Barkas B 1000 (das ist ein Kleintransporter VEB Barkas-Werke Karl-Marx-Stadt) vom Betrieb. Ich sollte dabei sein. Freudig berichtete ich von den Neuigkeiten zu Hause. „Nein! Kommt nicht in Frage, dass du da mitfährst!“ Ich war am Boden zerstört. Wie peinlich solle das bitte gegenüber meinen Kolleginnen werden? Ich bin so schon selten genug mit zur Disko am Wochenende mitgekommen, jetzt schon wieder nicht? Aaaaaber! Ich sollte eine Glückssträhne haben! Jaaa, ein kleines, großes, Wunder geschah! Mein Bruder fuhr zu dem Zeitpunkt ins GST-Lager (die Gesellschaft für Sport und Technik, eine gesetzlich vorgeschriebene vormilitärische Ausbildung), meine Mutter war zur Kur. Mein Stiefvater hielt an dem Nein zur Grenzer-Disko fest. Es war Freitagabend, Samstag sollte die Disko stattfinden. Halleluja! 

Ich warte an dem Abend schon mit dem Abendbrot auf meinen Vater, es war ca. 21 Uhr. Da sah ich den grünen Dienst Barkas vor unsere Türe fahren, was schon sehr ungewöhnlich für  meinen Steifvater war, parkte er ihn doch immer auf dem Parkplatz des Nebenblockes. Der Barkas nähert sich und ich erkenne zwei Männer in Uniform, die ich nicht kannte, sah aber den Uniformmantel meines Stiefvaters auf den Rücksitzen liegen, auf welchem seine braune Aktentasche lag. Ja aber wo bitte Vati!? Ich hatte schon die ganze Zeit ein komisches Gefühl im Bauch.  Einer der Offiziere stieg aus und rief herauf „bist du Carmen?“

„ja“

„Machst du mir bitte mal die Türe auf, dem Vati ist was passiert, er liegt im Krankenhaus“

„Mir zitterten die Knie. Mein heiß geliebter Vati (so verrückt, wie es klingen mag), ihm ist was zugestoßen? Ich ließ den Mann herein, holte eine Reisetasche aus der Flurgarderobe. Ich weinte vor Aufregung. Meinem Vati was passiert. Das war das allerschlimmste für mich. Wir gingen mit der Reisetasche ins Schlafzimmer, packten ein paar Sachen ein  und ich fuhr mit den beiden Fremden ins Krankenhaus zu meinem Stiefvater. Später fuhren mich die zwei Männer wieder nach Hause. Die kommende Nacht war grausam für mich. Ich alleine. Zum ersten Mal alleine. Plötzlich begriff ich, welche Chancen sich mir auftaten! Ich griff verbotener Weise zum grünen Diensttelefon meines Stiefvaters, wählte die Nummer des Fahrers, der die sieben Mädels am Abend zur Disko fahren sollte und sage ihm „ich komme mit“.

Alleine die Fahrt dorthin, ca. 35 km entfernt, war ein riesen Spaß. Typisch Mädels eben, ein Gegagger, ein Juchzen, Sekt ole´ ….. mittags kamen wir dort an. Wir waren dieeee Dorfattraktion. Im Grenzgebiet fielen Fremde ja sofort auf. Noch dazu wir aufgebrezelten Stadtpomeranzen. Herrlich. Die Dorfjugend wurde sofort auf uns aufmerksam, natürlich besonders die Jungs hatten ein Auge auf uns geworfen. Obwohl schon die Kunde im Dorf rum ging, dass wir am Abend mit der Dorfjugend feiern würden? Herrlich, so ein Wagen voller Mädchen. Zumindest aus der Sicht eines Mädchens. Es amüsiert mich heute noch köstlich, wenn ich daran denke und der Fahrer hätte gut daran getan, sich Kopfhörer aufzusetzen, als einziger Hahn im Korbe.

Wir kamen als im Grenzregiment an. Ein sehr kleiner Posten, mit wenigen Gebäuden. Wir wurden von einem älteren Offizier empfangen, er war circa doppelt so alt, wie wir, was man in unsere Alter, dann schon als älter betrachtet und wurden in das Stabsgebäude geleitet. Dort empfingen uns weiter zwei Offiziere. Wir wurden gefragt, ob wir Interesse hätten, mal einen ausgeführten Gefechtsalarm beiwohnen zu wollen. Wir alle „ja“. Plötzlich ging ein Geschreie los. Der Schrille Ton von Trillerpfeifen durchbohrte unsere Trommelfelle. „Zug xxx angetreeeeeeeeeeten zum Gefechtsalaaaaaaaaaaaaaaarm“. Plötzlich rissen die Türen von den Stuben auf. Eine Horde Soldaten rannte in ihrer Kampfkluft die Treppen runter. „Stillgestanden“ brüllte ein Offizier. Zack, sie standen stramm. Wir Mädels schauten uns mit großen Augen an, kicherten nur. Dann der Schrei „Zug xxx marsch“. Die armen Jungs, sie waren alle gerade mal 18, 19 Jahre alt, marschierten auf den Hof, plötzlich der nächste Schrei (also Befehl…) “Gasangriiiiiff“ Alle Jungs knieten sich hin, setzten sich in Windeseile ihre Gasmaske auf und mussten damit ein paar Runden im Hof rennen. „Man wie bescheuert ist das, die armen Jungs“ denke ich noch. „Ende Gefechtsalaaaaarm, abtreten, Maaaaarsch“. Boh war ich froh, den Scheiß hinter mir zu haben. Wir Mädels sahen uns nun ganz genau die Jungs beim Vorbeigehen an, hhmm, einer schöner, als der andere und so schön verschwitzt. Der Teil gefiel uns natürlich besonders. Wir ernteten ja auch entsprechende Blicke. Es war glühender Sommer, wir waren leicht bekleidet, mit Sommerkleidchen oder wie ich, mit einer türkisen Wickelbluse und einer beigen 4-Bahnen-Hose, die hinten mit einem Reißverschluss zu schließen war. Ich war rank und schlank und hatte langes, wallendes Haar.  Es waren die 79iger und wir waren jung. Lach.

Wir wurden dann, ganz Gentleman light, in den Speisesaal der Offiziere geführt. Ein lange schmaler Raum, ca. 3 m breit und 8 m lang. Wir setzten uns hin und warteten auf unser Mittagessen. Wir erzählten, sprachen über das bisher erlebte. Der uns empfangende Offizier war zugegen. Plötzlich ging die Tür auf. Zwei Männer, in Kochkleidung, betraten den Raum. Der eine etwas klein und untersetzt, schon etwas älter, ich schätzte ihn spontan auf 28, der zweite ein jüngerer Soldat. Der Offizier stellte die beiden vor. Über den etwas älteren sagt er, mit lächelnder Mine, dass er verheiratet, noch nicht so lange im Regiment Koch sei und sich noch an die großen Portionen gewöhnen müsse. Falls es uns also nicht schmecken würde, wüssten wir ja nun den Grund. Es schmeckte. Und wie. Was es gab, weiß ich nicht mehr, ich weiß nur, dass es mir schmeckte. Nach dem Essen saßen wir noch eine Weile zusammen und unterhielten uns. Der Koch gesellte sich dazu, wir beschieden ihm, dass sein Essen spitzenmäßig war. Er freute sich. Ich saß an der Tafel ganz am Ende, hinter mir das Fenster. Der besagte Koch saß gleich neben der Tür. Unsere Blicke trafen sich immer mal und ich denke mir noch „ne ne, bloß kein verheirateter Mann!“ Dennoch, ich musste immer wieder mal, so ganz zaghaft, hinschauen und bekam ja auch seine Blicke zurück. Innerlich immer wieder das „nein“ in mir.

Wir liefen dann gemeinsam, mit den drei Offizieren und dem Koch, er war Unteroffizier, durch den Ort und schlenderten gen Vereinshaus, in dem die abendliche Disko stattfinden sollte. Als wir den Raum betraten, er war ca. 40 qm groß, saß die Dorfjugend schon an ihren Tischen, der DJ spielte bereits Musik. Wow! Was wurden wir gemustert. Die aufgebrezelten Stadtpomeranzen waren da! Was wurden wir gemustert!  Ein langer Tisch war frei. Der war für uns. Das Mustern von den anderen Tischen ging weiter. Es kamen noch 4 Offiziere dazu. So waren wir insgesamt 16 Personen. Die Party begann. Damals war die Likör- und Cola und Goldbrand, ein Weinbrand-Verschnitt Zeit. Der untersetzte Koch und die Offiziere bestellten erst mal 2 Flaschen Kirschlikör und Cola. Alle wurden immer lustiger und die ersten Pärchen unserer Runde begannen zu tanzen. Plötzlich saßen nur noch der Koch und ich am Tisch. Wir schauten uns um, nanu wo waren alle plötzlich hin. Unsere Blicke trafen sich. Er stand auf und forderte mich zum Tanz auf. Er war der einzige, von den Männern, der in Zivil anwesend war.  Es ertönte der Song „Die Wanne ist voll“ und der Raum tobte. Die Dorfjugend machte Platz, denn jetzt tanzten die Stadt Ladys mit ihren Offizieren. Was für eine Stimmung. Was für eine Party. Herrlich. Es traute sich dann auch langsam die Dorfjugend aufs Parkett und so wurde es ein sehr schöner Abend. Mein Koch und ich gingen dann mal kurz an die frische Luft. In dem kleinen Raum wurde es immer heißer. Wir wollten mal Luft schnappen und zogen uns in eine dunkle Ecke zurück. Er wollte mich küssen. Ich zuckte zurück. He! Er ist doch verheiratet! Er versucht mich wieder zu küssen, ich wurde weich, denn er gefiel mir schon sehr. Nun, als er mir unter die Bluse fassen wollte, wie ich ihn entschieden zurück. In meinem Kopf tönte die Warnung meiner Mutter „wenn du vor dem 18. Lebensjahr schwanger wirst, dann stecken wir dich in ein Heim“ Panik stieg in mir hoch. Nackte Angst. Er entschuldigte sich und wir gingen zu den Anderen und tanzten den ganzen Abend dann zusammen. Ich immer schön auf Abstand bedacht.

Als der Fahrer in der Tür stand, war klar, wir müssen los und das Grenzgebiet verlassen. Der Koch bat mich bei ihm auf der Stube zu übernachten, als Unteroffizier habe er ein eigenes Zimmer. Ich verneinte ganz vehement und war schon recht erbost, was er sich als Verheirateter so herausnimmt. Wir verabredeten uns dann aber für den nächsten Tag in meiner Heimatstadt, in der derzeit ein Stadtfest statt und wir vereinbarten uns mittags am Bahnhof zu treffen. Es war so ein herrlicher Tag. Er bedrängte mich nicht mehr und so hatten wir einen entspannten Sommertag erlebt. Doch, er wollte mich wiedersehen. Ich traute mich aber auch nicht, ihm zu sagen, dass nicht ginge, da er doch verheiratet sei … usw., hinzu kam, dass er mir gefiel. Ich war in einer emotionalen Zwickmühle, welche mir nicht gefiel und dennoch konnte ich nicht wiederstehen und wir verabredeten uns für die kommende Woche. Wir gingen ins Kino, oder sehr lange spazieren oder legten uns irgendwo am Waldesrand auf ein Stück Wiese und redeten. Ich war über beide Ohren verliebt du hielt ihn auf Abstand und eröffnete ihm, dass ich noch nie mit einem Jungen intim war. Er verhielt sich sehr anständig mir gegenüber.

Natürlich bekam meine Familie mit, was mit mir los war. Ich erzählte ihnen, was geschehen war. Zunächst waren meine Eltern sehr über den Vertrauensmissbrauch erbost, hatte ich mich doch gegen ihr Disko-Verbot hinweg gesetzt.  Als sie jedoch hörten, dass er Unteroffizier war, fielen ihnen wohl ganze Gebirge vom Herzen, denn „so einer“ passte ja kaderpolitisch in unsere Familie. Nun galt es für meinen Stiefvater nur noch herauszufinden, was es mit der „verheirateten Geschichte“ auf sich hat. Meine Eltern luden  Fred zu uns nach Hause ein. Geplant war ein gemütliches Beisammensein. Jaaa, das dachte ich!, bis mein Stiefvater uns, also meine Mutter und mich aufforderte, das Wohnzimmer zu verlassen, er wolle mit dem jungen Genossen ein Vieraugen Gespräch führen. Ich sah Freds Anspannung an du auch mir zitterten die Hände. Wir setzten uns ins Schlafzimmer auf das Bett und warteten, bis wir wieder ins Wohnzimmer gerufen wurden. Fred fragte mich sofort ganz entsetzt, was ich da erzählt habe, er sei verheiratet. Ich berichtete ihm, was der Offizier im Speisesaal zu uns allen sagte, als er das Essen servierte. Er lachte und sagte, dass der Schuft sich da einen üblen Spaß erlaubt habe und er sich gleich noch am selben Abend zur „Brust nehmen würde. Er beteuerte, dass er nicht verheiratet war. Ich glaubte ihm und so ließ ich mich ganz in mein Gefühl für ihn fallen. Ich war happy. Dazu noch mit dem Segen der Eltern.

Fortan sahen wir uns regelmäßig. Da der Bus von der Stadt in das Grenzdorf sehr selten fuhr, erlaubten meine Eltern Fred, im Haus meiner Oma zu übernachten. Das Haus befand sich etwas außerhalb des Stadtzentrums. So lief Fred die 3 km immer zu Fuße, denn mitten in der Nacht fuhr kein Bus mehr und früh kam er dann immer die 3 km zurück zu mir. Den Tag verbrachten wir zusammen, bummelten umher, waren in der Wohnung meiner Eltern. Meine Oma hatte die strikte Anweisung, darauf zu achten, dass wir uns in dem Hause niemals alleine aufhielten. Oma tat, wie ihr gesagt. Wir waren auch oft bei ihr zu Besuch. In der oberen Etage befand sich ein zweites Schafzimmer, welches Fred nutzte. Dort hielten wir uns oft und gerne auf, immer von der Oma kontrolliert, ob wir auch ja nicht intim würden denn vor dem 18. Lebensjahr….. usw.. Natürlich hatten wir Zeit und Momente und nahe zu kommen, da ich aber noch Jungfrau war, bat ich ihn mit die Zeit für das erste Mal zu lassen, die ich brauchte. Dem kam er sehr geduldig nach.

Nach drei Monaten wollte er nun auch mich seien Eltern in Sachsen vorstellen. Nachdem ich das meinen Eltern begreiflich machen konnte und es lange Diskussionen darum gab und Fred eine Unterweisung, wie er mich zu behandeln habe, durfte ich mit nach R. fahren. Seine Eltern waren das ganze Gegenteil meiner. Voller Herz und Güte. Die Mutter Verkäuferin, der Vater Polizist, dazu noch 2 Brüder und 1 Schwester. Alle durchweg liebe Menschen. Sie bewohnten, mit ihrer Schildkröte und pubertären Kindern, eine 4 Zimmerwohnung in einem Plattenbau, der Einzige Plattenbau in dem Dorf. Fred und ich übernachteten in dem vorderen Kinderzimmer, gleich neben dem Wohnungseingang. Das Zimmer war ein lange schmaler Schlauch, in dem gerade mal ein Doppelstockbett stand, ein Schrank, ein Schreibtisch und ein Kommode. Die Mutter hatte lecker gekocht. Ich war ja extrem schüchtern und hatte massig Minderwertigkeitskomplexe. Wir unterhielten uns ganz normal, ich gab meine schüchternen Antworten und mir hüpfte innerlich fast das Herz aus der Brust, vor Aufregung. Abends sahen wir dann alle fern. Westfernsehen! Man, was war ich sprachlos! Fred verstand dies sofort, wir verschwanden dann in das schmale Kinderzimmer. Er zündete Kerzen an. Wir hatten unser erstes Mal. So ganz unromantisch, unten im Doppelstockbett der Schwester, in der Wohnung der Eltern. Ich hatte  höllische Angst schwanger zu werden, ich wollte doch nicht schwanger werden. Er wusste von meiner Angst und zog seinen Penis raus und ejakulierte auf meinen Bauch. Ach was war das eklig! Zum einen gab er sich nicht sonderlich Mühe, obwohl er ja schon erfahren war und 6 Jahre älter als ich und er wusste, dass dies mein erstes Mal war. Am nächsten Morgen tat mir mein Unterleib weh.

Als wir am Sonntag wieder bei mir zu Hause ankamen, holten meine Eltern vom Bahnhof ab. Fred musste zur Kaserne zurück. Sein Kumpel hatte ihn mit einer Simson (DDR Moped)  abgeholt. Zu Hause angekommen,  musste ich das ganze Wochenende erzählen. Als ich ihnen nur sagt, dass es bei den Leuten schön war und nett und dass ich meinen ersten Sex hatte, waren sie entsetzt, denn auf ihre weiteren Fragen wollte ich einfach nicht antworten. Nach einer Weile hatte sie sich aber beruhigt und machten mir dann den Vorschlag, dass Fred fortan in unserem Wohnzimmer, auf der aufklappbaren Couch. Ich stellte zur Bedingung, dass ich fortan dann bei ihm schlafen werde. Ich war höchst erstaunt, dass sie nichts dagegen hatten. 2 Monat später verlobten wir uns. 6 Monate später wurde er in ein Regiment in der Nähe von Berlin versetzt. Ich beendete meine Lehre, zog zu ihm – meine Flucht aus dem kranken Elternhaus war mir somit geglückt, dennoch fiel mir der Abschied extrem schwer. Besonders schlimm  fiel mir der Abschied von meiner heiß geliebten Oma, mein einziger Schutzengel in dieser Familie. Oma weinte bitterlich, „Ach Carmele („so nannte sie mich immer liebevoll)…bleib doch da“. Es war so grauenvoll. Alle standen wir in der früh um 6 Uhr im Flur und sie verabschiedeten sich von mir. Oma ist extra über Nacht geblieben, um sich von mir verabschieden zu können. Alle weinten bitterlich. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass sie solche Gefühle für mich hatten. Ich schluchzte am laustesten. Plötzlich waren sie alle so nett zu mir. Meine Oma war das eh immer. Ich wurde sehr bald schwanger. Wir heirateten, da war ich im 5. Monat schwanger. Wir wollten so schnell nicht heiraten, aber Freds Vorgesetzter setzte uns unter Druck „in der DDR und in der NVA dulden wir keine wilden Ehen!“ So heirateten wir eben, um keine Schwierigkeiten zu bekommen, hatten wir doch ganz unkompliziert eine  3-Raumwohnung bekommen. Da kam es uns auf das eine Jahr früher oder später auch nicht mehr an.

 

Arrest oder Stubenarrest

Ich kann dem Wort „Stubenarrest“ nichts Gutes abgewonnen. Schon gleich keine erzieherische Maßnahme. Arrest gab es für jedes kleine Vergehen. Ob ich nun fünf Minuten zu spät kam, ein falsches Wort verlor. Widerrede gab. Nicht die richtige politische Meinung vertrat. Den falschen Jungs hinterer sag, nämlich den nicht angepassten, langhaarigen Assis, wie es mein Stiefvater zu sagen pflegte, die ich aber für ihren Mut und ihr Anderssein bewunderte.

Sei es für die falschen Klamotten „…was sollen denn die Nachbarn denn die Nachbarn denken, wen sie dich sehen“. Oder ich den Kinofilm nicht erzählen konnte, weil ich mir schon im Kino fasst in die Hose machte vor Angst, dass ich auf keinen Fall auch nur eine Szene von dem Film vergessen durfte.

Für alles und Jedes gab es den Arrest.

Ich kam fröhlich vom Rummel nach Hause, die nur 2 Mal im Jahr in die Stadt kamen und ich mit meinen Freundinnen uns immer schöne Nachmittage dort machten. Fünf Minuten zu spät. 2-3 Wochen Arrest! Da nütze es auch überhaupt nichts, wenn meine Freundinnen vor der Tür standen und bettelten, dass ich doch bitte bitte bitte wieder raus dürfe. Meine Mutter hatte nie ein Erbarmen. Mein jüngerer Halbbruder war da schon erfolgreicher, er bekam seine Mutter immer weich gequatscht. Er saß seine Strafe selten bis zum Ende ab. Irgendwann gaben sogar eine Freundinnen auf und standen nicht mehr als Bittstellerinnen bereit. So saß ich also die Wochen einsam, nach der Schule ab.

Damit ich meine Arrestzeit auch sinnvoll nutze, wurden mir seitenweise Mathe- und Deutschaufgaben aufgedrückt, die mein Stiefvater dann am Abend überprüfte. Waren diese falsch, saß er so lange mit mir am Esstisch und erklärte mir die mathematischen Lösungswege, meist bis in die Nacht hinein und ich musste das Diktat noch mal schreiben. Dabei spielte es keine Rolle, ob ich müde war oder nicht oder gar noch in irgendeiner Form aufnahmefähig. Nein, mir wurde das Ganze eingetrichtert, bis zum bittere Ende. 

 

Bedrohungen

Was ganz besonders schlimm war und mich jedes Mal in Angst und Schrecken versetze, waren die Drohungen, ich würde ins Heim kommen, würde ich nicht das nicht alles so machen, wie SIE es wollten. 

„Wirst du vor dem 18. Lebensjahr schwanger, kommst du ins Heim.“

„Kommst du zu spät nach Hause, kommst du ins Heim.“

„Hast du die falschen Freunde, kommst du ins Heim.“

„Hörst du Westradio, kommst du ins Heim.“

„Schaust du Westfernsehen, kommst du ins Heim.“

„Verliebst du dich in den falschen Jungen, kommst du ins Heim.“

Ich lag so manche Nacht wach und überlege mir, wohin ich fliehen könne. Einfach ausreisen von zu Hause. Ausbüchsen. Weglaufen. Hauptsache weg. Ich lag dann nächtelang in meinem Bett du stellte mir sämtliche Szenarien vor. Was würde passieren, wenn ich in den Wald fliehe, der ja gleich hinter unserem lattenbau begann? Wie weit käme ich? Was müsste ich an Klamotten mitnehmen. Was an Lebensmittel. Wie lange könnte ich das Schleppen. So sonderlich eitel war ich nicht, also hätte ein Kamm, Seife und ein Waschlappen genügt. Ich musste ja auch das Gewicht des Rucksacks berechnen. Mein Stiefvater erzählte was von Schäferhunden,  in seiner Grenzer-Dienststelle. Die würde doch sicher als Suchhunde einsetzen lassen. Wie weit müsste ich in den Wald rein laufen. Ein anderer Gedanke war, mit Igor einfach nach Russland abzuhauen. Naiv zwar, aber immerhin schön weit weg. Ich stellte mir also sämtliche Verstecke. Vielleicht würde mich ja Oma aufnehmen, aber dort hätten sie eh als erstes gesucht und Oma wollte ich einfach nicht in Schwierigkeiten bringen, hatte sie schon genug Stress mit ihrer jüngsten Tochter, also meiner Mutter. Ich wälzte mich so manche Nacht in meinem Bett hin und her und kam zu dem erschütternden und enttäuschenden Ergebnis „es macht keinen Sinn“. Diese Erkenntnis war so bitter für mich, so unerträglich, dass ich mich oftmals in den Schlaf weinte. Leise und unmerklich, denn immerhin lag ja mein jüngerer Halbbruder nur 2 m mir gegenüber in seinem Bett und er war ja als Spion gegen mich angesetzt. Also war ich auch vor ihm auf der Hut und musste mir ihm gegenüber genau überlegen, was ich von mir preis gab und  was nicht.

Oftmals habe ich mich in meinen Träumen in eine heile Welt geflüchtet, in der ein Prinz an mein Bett trat und mich rette. Mal war der sogenannte Prinz Igor oder irgendein anderer Junge, den ich toll fand und bin mit ihm in meine Welt geflüchtet, in der wir heirateten, Kinder bekamen, die ich völlig frei und Zwang und Unterdrückung erzog und  meine Welt war in diesen Träumen, wohlig warm und hinreißend schön.

 

Billige Geschenke

Meine Mutter war eine sehr verwöhnte Frau und äußerst materialistisch eingestellt. Sie ließ sich oft beim Schneider Kleidung nähen, denn sie konnte es nicht ertragen, wenn eine andre Frau die gleichen Klamotten trug wie sie. Bloß keine Kleidung von der Stange.  Mehr Schein, als Sein. Eine extrem verwöhnte Luxusdiva.  Sie wollte immer etwas besser da stehen, als die Anderen, aus der Masse mit aller Macht herausragen. Mich hat das als Kind sehr genervt. Ständig mussten wir Kinder mit zum Schneider und mich kotze es so an, wie sie sich vor dem Spiegel räkelte und sich in wen wohlwollenden Worten der Schneiderinnen aalte. Der Schleim triefte nur so. Ein wunder, dass sie nicht alle auf ihre Schleimspuren ausrutschten. So war es auch kein Wunder, dass sie an Weihnachten oder Geburtstagen teure Geschenke erwartet. Ein billiges Geschenk bedeutet für die Degradierung und sie fühlte sich sehr in ihrer Würde verletzt. Diese Raffgier hat sch als sehr negativ auf meiner Seele festgesetzt und ich hatte als Kind eine sehr negative, ablehnende Affinität gegenüber meiner Mutter. Ich konnte sie schlicht nicht leiden und sie war mir oft peinlich. Sie ergötzte sich daran, sich allen gegenüber als etwas Besseres zu präsentieren und da ich sie gut kannte, wusste ich, das sie Leben nichts Besseres ist, als die Anderen, im Gegenteil und auch nie in den Zustand gelangen würde. Mit diesem Zwiespalt hatte ich täglich zu kämpfen, denn ihre Selbstdarstellungslust kannte keine Grenzen.

 

Carmen hat Probleme, zwei Lehrer wollten mir helfen

Ich hatte in der Schulte starke Konzentrations- und Koordinations-Schwierigkeiten. Mit sechs Jahren konnte ich noch nicht mal richtig mit der Schere schneiden. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass meine Mutter jemals mit mir gebastelt oder gemalt hätte. Die Zeichnungen aus dem Kindergarten sehen aber normal aus. Ich habe sie mir bis heute aufbewahrt und ich fand dort eine Zeichnung, mit zwei Strichmännchen, das eine, das mit dem „dritten Bein“ in der Mitte zieht an dem Anderen, kleineren Strichmännchen. Es handelt sich um dieses Bild:

Wie ich heute weiß, malen missbrauchte Kinder solche Bilder. Beruhten also meine Konzentrationsschwierigkeiten mit einem solchen o. ä. Traumata? Ich war zu dem Zeitpunkt drei, ls ich das Bild malte.

Zurück zur Schule. Da gab es den Herrn Findus. Wir wohnten in einer 2 Zimmerwohnung, nahe der damaligen Schule. Zu Fuß hatte ich es, bergauf, gerade mal 8 Minuten. Als wir Herrn Findus als Klassenlehrer bekamen, verbesserten sich meine Mathematik und Geometrie-Leistungen sehr stark. Er hatte sich immer viel Zeit für mich genommen. Ich tat ihm wohl sehr leid. Vielleicht strahlte ich eine ewige Traurigkeit aus. Ich weiß es nicht. Fakt ist, dass er sogar versuchte in seiner Freizeit sich um mich zu kümmern. Er hatte ein kleines Grundstück, mit Haus und Pferdestall, auf einem Hang, im Wald, sehr idyllisch. Ob er Familie hatte, weiß ich gar nicht mehr. Ich war ein sehr verschlossenes und schüchternes, ja fast schon ängstliches Kind. An einem schulfreien Tag. Unsere Klasse verbrachte den Tag auf dem Grundstück des Lehrers. Ich war von den Pferden sehr beeindruckt, traute mich aber nicht, mich auf eines zu setzen und zu reiten, wie die anderen Kinder. Dafür streichelte ich ewig lange den Kopf des einen Pferdes und mir war so wohlig dabei zu mute. Eines Sonntags kam Herr Findus mit seinem Pferd vom Berg herunter geritten, ins Tal, in die Altstadt, in der wir wohnten und ritt in die kleine schmale Gasse, in der wir wohnten. Es war warm, also war es Sommer. Er rief mich. Ich schaute aus dem Fenster und traute meinen Augen kaum. Ich solle doch mal runter kommen und doch mal auf dem Pferd reiten, dessen Kopf ich so lange gestreichelt hatte. Ich lief zur Haustür, mittlerweile stand die ganze Familie vor dem Haus und rieten mir zu, ich solle ruhig mal reiten. Ich traute mich aber nicht. Zum einen war mir das Pferd unheimlich, wegen der Größe, dann schämte ich mich schon bei dem Gedanken, mich beim aufsitzen zu dämlich anzustellen und verneinte. Herr Findus versuchte es noch ein paar Mal mich zu überzeugen. Ich blieb bei meinem nein. Dennoch hatte mich diese Aktion schwer beeindruckt. Noch nie hat jemand so was spontanes und schönes für mich organsiert. Ein halbes Jahr später zogen wir in eine 3 Zimmerwohnung, weit weg von meiner Schule. Herr Findus machte noch zwei Hausbesuche bei uns und lag meinen Eltern in der Schule, sie wollen mich doch weiter in der Schule belassen, jetzt, wo ich in Mathe und Geometrie so gut geworden war. Ihr eiskaltes Nein hatte ihn schwer getroffen. Auch verneinten sie, als er anbot, mich jeden Tag von zu Hause abzuholen, zur Schule zu fahren und nach der Schule wieder nach Hause, verneinten sie vehement. Für mich war dieses Engagement sehr beeindruckend, denn bis dato hatte ich noch nie ein Auenstehender so für mich eingesetzt. Ich habe Herrn Findus nie vergessen können. Für mich war er eine  Art Ersatzvater geworden, in dessen Nähe ich mich wohlig vertraut fühlte, zumal er mir mit einer Engelsgeduld Mathe und Geometrie nahe brachte. Ich habe ihn nie mehr wieder gesehen. Er wohnte damals neben der Spielwarenfabrik.

In der neuen Schule fand ich sehr schwer Anschluss. Ich war ja ein Kind voller Minderwertigkeits-komplexe. Die standen  mir quasi bis zum Hals, so voll war ich damit.

Da gab es den neuen Mathematik-Lehrer, Herrn Mammut. Bei einem Elternbesuch zu Hause, sagt er meinen Eltern, dass sie mit mir unbedingt zu einem Psychologen gehen sollen „…mit ihrer Tochter stimmt was nicht….“. Davon erfuhr ich natürlich erst hinterher, als Herr Mammut weg war. Meine Eltern waren sehr erbot über die Aussage des Lehrers und hatten entsprechend rumgezetert. Sie waren so sehr erbost, dass mein Stiefvater plante, mal schön seine Uniform anzuziehen und dem Direktor der Schule einen Besuch abzustatten. Natürlich war Herr Mammut anwesend. Mein Stiefvater wollte sich also über den Lehrer „gebührend“ beschweren. Dann gab es den Herrn Mammut nicht mehr. Ich habe ihn nie wieder gesehen und obwohl er im selben Block, nur 3 Eingänge weiter wohnte, ward er nimmer gesehen. Als Kind habe ich das nie begriffen. Wer aber die Praktiken der Stasi kennt, weiß Bescheid.

Unser neuer Lehrer war nun fortan Herr Crämer. Er hatte sich immer einen Spaß draus gemacht, mich vor der ganzen Klasse zu blamieren und mich bei meinen Schwächen zu packen. An der Tafel, vor versammelter Mannschaft. Diese Demütigungen werde ich nie vergessen und waren ja auch nicht sonderlich produktiv für meine Komplexe. Das waren die Momente, in denen ich mir oft Herrn Findus herbei sehnte. Meine Eltern erzählte ich davon nie etwas.  Ich wollte diesbezüglich nur noch meine  Ruhe haben. Ab da ging es bei mir schulisch noch mehr bergab.

 

 

Cousins

Meine Cousins Anton und Holger-Jens waren älter als ich. Anton war 1967 dreizehn, Holger-Jens neun. Ich war sechs. Es war September 1967, ich war gerade eingeschult. Gleich nach dem Einschulungs-Wochenende fuhr meine Familie für zwei  Wochen an die Ostsee. Mein Halbbruder war drei. Meine Oma fühlte sich gesundheitlich nicht im Stande, mich so lange zu betreuen, sie war sehr krank. Somit musste ich zu meiner Tante Erna und meinen Cousins. Das war die schrecklichste Zeit meines Lebens. Die drei wohnten in der Altstadt, 60 m von meiner Oma entfernt. Sie hatten eine Zweiraumwohnung. Im Wohnzimmer nächtigte meine Tante, das Schlafzimmer war das Kinderzimmer meiner Cousins. Tante Erna war geschieden und kämpfte sich als Alleinerziehende hart durchs Leben. Sie arbeitete einst in einer Alkoholfabrik, dann in einem Metallverarbeitenden Betrieb. Sie arbeitete wirklich hart. So streng sie auch nach außen war, wusste ich doch um ihren weichen Kern. Mein Bett, ein Babygitterbett, wurde inmitten des Kinderzimmers aufgestellt. Ich fühlte mich in dem Bett nicht wohl, bot es mir ja seitlich keine Möglichkeit der Flucht. Ich musste als Kind immer das Gefühl haben, zu jeder Zeit fliehen zu können und mein Bett musste stets in der Nähe der Tür stehen, mein Gesicht zur Tür gewandt, um kontrollieren zu können, wer den Raum eventuell betritt.

Eines Nachts passierte es. Ich trug ein weißes Nachthemd. Darunter war ich nackt. Als ich aufwachte,  waren meine Beine rechts und links über die Bettkanten gelegt, meine Cousins standen rechts und links am Bett. Mein Nachthemd war bis zum Bauch hochgezogen  und mein älterer Cousin leuchtete mit einer Taschenlampe zwischen meine Beine und ich fühlte einen Finger in meiner Scheide. Ich war erschrocken. Zum einen schämte ich mich bis aufs Blut, so nackt vor den beiden Jungs zu liegen, zum anderen fühlte ich, dass sie was schlimmes taten und was mich besonders verwirrte war die Tatsache, dass sich sein Finger in mir für Sekunden schön anfühlte.  Erst später, in meiner Psychotherapie habe ich diese Gefühle, aus jener Nacht, aufgearbeitet du begriffen.

Als ich also zu mir kam, erschraken die beiden und ließen von mir ab, mit den Worten „wehe du sagst was“. In dieser Nacht konnte ich vor Angst nicht mehr schlafen, obwohl ich am nächsten Tag wieder in die Schule musste. Meiner Tante erzähle ich am  nächsten Morgen von dem Vorfall und meine Cousins wurden von ihr beschimpf du geschlagen, was sie für Schweine als Söhne habe, womit sie das nur verdient hätte. Ich fühlte mich total schuldig, weil sie wegen meiner Petze Prügel bezogen. Ich kam lange mit diesen Schuldgefühlen nicht klar. Ich hatte riesengroße Sehnsucht nach meiner Familie und weinte viel. Ich war dermaßen zerstört. Die pure Hölle. Die nächsten Nächte durfte ich dann mit im Wohnzimmer, bei meiner Tante, schlafen. Wenigstens diesen Schutz hatte ich von ihr erhalten. Als meine Eltern aus dem Urlaub zurückkamen, war die Hölle los. Das habe ich nicht gewollt, denke ich noch. Alles wegen  mir. Das perfide ist, dass missbrauchte Kinder sehr leicht in diese Schuld-Fasle tappen und wenn da keiner ist, der dem Kind heraushilft, setzt sich das auf der Seele als Fehlinformation und Traumata sowieso fest. Meine Mutter hatte dann nicht mehr mit meiner Tante gesprochen, über Jahre hinweg gab es Spannungen in der Familie. Für mich war das alles sehr schlimm, waren meine Cousins für mich doch wie Brüder, so nahe, wie wir aufwuchsen. Wir waren ja täglich zusammen und draußen am Spielen. Obwohl sie mir so was Schlimmes antaten, fehlten sie mir. Eine solche Zwickmühle der Gefühle musste ich letztlich verdrängen, um einigermaßen heil aus der Sache herauszukommen, aber dazu später in meinem Buch mehr. Vorab: Ich habe jene Nacht viele Jahrzehnte „erfolgreich“ verdrängt.

 

 

 

Die mir Liebe oder Aufmerksamkeit gaben

 

-           Der Schuster:

Herr Paul hatte seine Werkstatt in Parterre, in einem kleinen Haus in der Altstadt, 60 m weg von unserem Haus entfernt, ebenfalls in einer kleinen Gasse. Lief man auf das Haus zu, so sah es aus, als ob es sich nach rechts beugte, so windschief war es. Vorne waren große Fenster. Dort stand ich gerne, bis er mich verjagte, weil er entweder schlechte Laune hatte oder eben viel zu tun, aber oft winkte er mich auch zu sich herein. Dann rannte ich voller Freude um die windsschiefe Ecke herum, er öffnete die viel zu klein geratene hölzerne Tür, die quietschte und ächzte laut, so schwer schien sie sein. Ich betrat den sehr kleinen, steinernen und düsteren Flur, in dem es dann links zur Werkstatt ging. Alleine der Flur war schon erfüllt von dem Duft des Leders und des Leimes.

Herr Paul war sehr alt. Sehr alt. Ihn habe ich mir immer als Opa gewünscht und versuchte meine Oma ihn ihr schmackhaft zu machen, aber Oma dankte ab. Das fand ich natürlich immer blöd und so baute ich mir eben meinen „Opa-Kontakt“ alleine auf.

Die Werkstatt maß ca. 20 qm, die Zimmerdecke war recht niedrig, links stand eine große Maschine, an der er die Fußsohlen schliff und zuschnitt, sowie die Schuhe polierte. Ich schaute ihm mit einer großen Freude und Begeisterung zu, wie er Nägel in die Sohlen schlug oder die Sohlen mit einem dicken, kleberverschmierten Pinsel anklebte. Seine Hände waren geschunden von der schweren Arbeit und sehr schmutzig. Es machte ihm nichts mal was aus, damit seine Brote zu essen. Als Kind saß ich immer nur da und staunte. Obwohl es dort so düster und dreckig war, fühlte ich mich sehr wohl und geborgen. Herr Paul war immer nett und freundlich zu mir, selbst wenn er mal schlecht gelaunt war, konnte ich ihm das nicht übel nehmen. So war er eben. Mein heimlicher Opa.

 

-           Die Alkoholfabrik:

In der Alkoholfabrik arbeitete meine Tante, die ältere Schwester meiner Mutter. Die Fabrik befand sich in der gleichen Gasse, wie der Schuster. Wenn ich denn schon in der kleinen Gasse war, lief ich auch zur Fabrik, um meiner Tante einen kurzen Besuch abzustatten. Gegenüber dem Schusterhaus, auf der gegenüberliegenden Seite der Gasse, befand sich das Gefängnis der Stadt, mit sehr hohen und dicken, grauen Steinblöcken als Mauer. Das hatte schon was Schauriges. Der Weg durch die Gasse betrug gerade mal 70 m und so war ich rasch auf dem Gelände der kleinen übersehbaren Alkoholfabrik. Schon auf der Hälfte der Gasse konnte man den Alkohol riechen. Das eiserne Eingangstor stand immer auf und die Arbeiterinnen kanten mich ja eh. Meine Tante freute sich immer, wenn sie mich sah. War sie mal nicht so gut drauf, war sie immer recht forsch zu mir, aber da blieb ich nicht lange du verzog mich rasch wieder. Die Fabrik war so klein, dass der Abfüllraum gerade mal 40 qm groß war. Der Duft des Alkohols stand in den Raum, selbst wenn die Frauen im Sommer alle Türen und Fenster öffneten, überall Alkoholduft. Manchmal durfte ich, beim aufstöpseln der roten Plastikkapseln, mithelfen, die vorher in heißem Wasser eingeweicht wurden, so ließen sie sich leichter auf den Flaschenverschluss überstülpen. Besonders gerne jedoch füllte ich die Etikettenmaschine mit neuen Etiketten. Ich mochte den Duft des Leimes und so verbrachte ich so manche Zeit bei meiner Tante und ihren lustigen Kolleginnen, die an der manuellen Abfüllanlage gerne mal ein Likörchen tranken. Das war eine sehr schöne du lustige Zeit, weil sie alle so lieb zu mir waren. Wenn dann meine Tante dann zu mir sagte, ich solle rasch nach Hause, damit wir keine Probleme mit meiner Mutter bekämen, war ich auch eins drei fix weg, denn ich wollte ja keinen Stubenarrest bekommen.

 

-           Der Bäcker:

Der Hof des Bäckers befand sich gegenüber dem Schuster, die beiden trennte nur ein kleiner Vorplatz, auf dem wird Kinder dann immer spielten, der Hof war zumindest so klein, dass wir immer den Hof des Bäckers einsehen konnten, wenn dieser eine Holzregal mit heißen Brot in den Hof zum Auskühlen stellte. Der Bäckersmeister war ein kleiner, Untersetzer älterer Mann. War er weg, schlichen wir uns an, also die Nachbarskinder, mein Halbbruder und meine Cousins, und bissen von den Broten eine Ecke aus der Kante. Einmal hatte der Bäcker uns erwischt. Wir rannten so schnell wir konnten. Da aber in dem Karree jeder jeden kannte, erfuhr meine Oma umgehend von unserer Missetat. Ich bezog mit dem Schuhanzieher Prügel. Meiner Oma war das sehr peinlich, weil sie so bekannt war in der Stadt und das ausgerechnet ihre Enkelin so was tat, machte sie fassungslos. Dennoch bekam ich weiterhin im Laden die Kuchenränder geschenkt. Der Bäckermeister war uns nie lange böse, wobei wir dann, aber unserer letztes Diebeskation, den Bäcker nie  wieder ärgerten. Der Bäckerladen war klein und muckelig, die ältere Dame hinterm Tresen kannte mich seit Jahren und sagte immer „schöne Grüße an deine Oma“. Manchmal schenkte sie mir sogar ein Stück Kuchen vom Vortag. Ich war dafür immer sehr dankbar, weil sie mir das Stück Kuchen immer mit einem lieben Lächeln über den Tresen reichte. Ich fühlte mich in dem Moment immer reich beschenkt und war voller Freude und Dank.

 

 

-           1000 kleine Dinge

Es gab über der Straße, unweit unserer Gasse, einen Laden, der Haushaltswaren aller Art führte. Inhaber war die Familie Sobert. Frau Sobert und Mutter führten den Laden. Frau Sobert sen. War so eine liebe herzliche Frau, ich hab die positive Energie immer in mir aufgesogen. Ich ging zwar nicht gerne mit Oma in den Laden, weil dann klar war, dass die alten Damen ewig lange schnatterten und es mir dann schnell langweilig wurde. Auch wenn ich mir die Waren in dem Laden auf und ab gerne ansah, nah der vierten Runde spätestens, kannte ich das Inventar, welches mir ja schon von Hause aus nicht fremd war, doch im Nachhinein fand ich es immer wieder faszinierend, mit welcher Freude die Damen ihre Waren verkauften, welche Zufriedenheit sie ausstrahlten. Der Laden war vollgestopft bis unter die Decke, eben 1000 kleine Dinge des Haushaltes. An den Decken und Wänden hingen Töpfe und Tassen, Körbe und hölzerne Quirle, der Gang zwischen den Regalen war recht schmal und so musste man höllisch aufpassen, dass man die aufgestapelten Gläser und Teller usw. an der Wand nicht umriss und so zog sich diese Enge durch den gesamten Laden. Meine Oma kaufte ich dort immer gerne ihre Obstschalen und gläserne Untersetzer, auch die Tortenteller gab es dort immer vorrätig. Ein wahres Paradies für die Hausfrau von damals. Manchmal schenke mir Frau Sobert, neben einem lieben Lächeln, sogar einen Lutscher. Nun das war dann für mich eine angemessene Entschädigung für die lange Wartezeit auf meine, gerne schnatternde, Oma.

 

 

-           Die Kneipe

 

Gegenüber den „1000 kleine Dinge“ befand sich eine dunkle, eine gruselige Kneipe. Sie war mit dicken, klobigen dunkelgrauem  Feldsteinen gebaut, die Fenster waren so bunt, wie Kirchenfenstern, die nahmen dem Gruseligem wiederum ein wenig das Düstere.  Um in den Gastraum zu gelangen, musste man erst durch das schwere hölzerne Tor, in den dunklen, düsteren Vorhof gehen, um dann rechts, durch eine weitere schwere Holztür, um in das Innere der Kneipe zu gelangen, deren Alkohol- und Zigarettengestank und das Gemurmel der anwesenden Gäste schon vordrangen. Die Kneipe selbst war mit dunkel braunen Möbeln ausgestattet. Kaum betrat ich die Kneipe, erhoben die Herren an ihren Tischen ihre Köpfe, um nachzusehen, wer gekommen war. Am liebsten wäre ich immer sofort im Boden versunken, so sehr Angst machten mir die komischen, unrasierten, dickbäuchigen Männergestalten, mit ihren rot-glasigen Augen. Ich lief schnurstracks zum Tresen, die Blicke der Anwesenden in meinem Rücken spürend und reichte dem netten Wirt die Glaskanne, die mir mein Stiefvater stets in die Hand drückte „hol mal Bier“, wenn er durstig war. Ich war fünf und ich hatte Angst. Der Weg wurde manchmal immer länger, aber selbst mit tip-top-Schritten kommt man ja irgendwann mal an. Als ich zurückkam hieß es oft:

„wo warst du so lange“

„hast wieder getrödelt“

 „bist du zu dumm zum laufen“

„hast lauter Bier verschüttet“

– ein  d a n k e  kam nie und das, wo ich doch so tapfer war und die Höhle des Löwen betrat und gar nichts von dem Getränk hatte. Dafür wird man also noch beschimpft.

Wenigstens war der Wirt immer nett. Na gut, er wollte ja auch Umsatz machen, aber das war allemal netter, als der Empfang zu Hause, zumal meine Oma in meiner Heimatstadt eine sehr bekannte Frau war. Dazu mehr im nächsten Kapitel.

 

-           Omas Geschäft

Oma war seit dem Krieg alleinerziehend. Zwei Männer hatte sie an den Krieg verloren. Sie hatte schon immer eine kleine Kneipe gehabt und man merkte an ihrer harten Sprache manchmal, dass sie nichts zu lachen hatte und sie sich auch bei den Herren, ihren Kneipengästen, durchsetzen musste. Irgendwann eröffnete Oma eine kleine hölzerne Hütte am Bahnhof meiner Heimatstadt, gleich neben dem Taxistand und den Bahnhofsvorplatz. Die kleine Hütte hatte vorne eine Klappe, die  Oma Frühs immer hochklappte und mit einem Eisenstab seitlich fixierte. Das war dann der Verkaufstresen. Neben der Hütte standen zwei Tische und je vier Stühle darum, alles recht rustikal aus Holz geschnitten, wo die Gäste im Sommer gerne draußen saßen, grenzte doch rückseits der Stadtpark, dessen Bäume der Hütte und der Tischgruppe ein wenig Schatten spendeten.

Anfangs besaß Oma sogar einen Limonadenautomat. Ich erinnere mich noch gut daran, denn es gab immer meine Lieblingslimo Kirsche und Waldmeister. Waldmeisterlimo durfte ich nur selten trinken, es sei schädlich, sagte man damals uns Kindern und die Kirschlimo wurde mir immer rationiert. Meine Oma war sehr auf ihren Umsatz bedacht. Gut, als Kind sah ich das immer ein bisschen anders.

Manchmal kamen russische Offiziere an ihren Stand. Dann wurde sie nervös. Als Kind habe ich das zwar wahr genommen, aber es natürlich auch nicht hinterfragt. Was sie immer aufregte, war die Tatsache, dass die Offiziere begleitenden Soldaten sich nie was kaufen durften. Ihnen spanedierte sie dann ab und zu eine Limo. Diese menschlichen Gesten liebte ich an ihr sehr.

Sie war dadurch in der ganzen Stadt bekannt. Jeder grüßte sie. Oft blieb sie stehen und unterhielt sich. Sie war einfach beliebt bei den Leuten, sie sie kannten.

 

-           Spielzeugfabrik

In der Spielzeugfabrik, unweit des Bahnhofes, arbeitete meine Mutter halbtags. Sie wickelte um die Antriebsanker Papier, die dann mit Kabel umwickelt wurden. 6 Stunden. Montag bis Freitag. Stupid am Band. Es war eine lange, schmale Halle, ein Arbeitstisch nach dem Anderen. Nur Frauen dort. Da waren die Spuler-innen, Andere stellten die Hupen für die Spielzeugautos her und so weiter. An einem Arbeitsplatz arbeitete eine Bulgarin. Sie war klein, blond, mollig und wirklich sehr nett zu mir. Sie lächelte mich immer an und ich sog ihre liebenswerte Freundlichkeit förmlich in mir auf, bekam ich doch zu Hause eine solche liebe Aufmerksamkeit nicht. Wenn ich meine Mutter ab und zu von der Arbeit abholte, war es mir immer eine Freude,  die Bulgarin zu sehen. Manchmal lächelte sie nur und das genügte mir schon, um mich glücklich zu machen. Da meine Mutter sehr geltungsbedürftig war, sprach sie immer laut mit mir, so erweckte sie die Aufmerksamkeit ihrer Kolleginnen. Diese sprachen mich an und mir war das so peinlich, dieses rumgezeugt werden. Ich dachte dann immer, wenn die alle nur wüssten, was für ein Drache sie zu Hause sein kann. Aber ein Blick zur Bulgarin, und alles war wieder gut. Eines Tages war sie nicht mehr da und meine Fragen, wo sie sei, wurde nie beantwortet.

 

Disko

Im Grunde genommen ist es doch so, dass jeder Jugendliche sich von seinen Eltern abgrenzen will, sowohl seine eigenen Weh, sein eigenes Ich finden will und selbstverständlich auch muss. Dazu gehört eine Clique, mit der sich ein junger Mensch identifizieren kann, mit allem was dazu gehört, sie eben auch gemeinsame Abende und Diskobesuche.

Da viele meiner Klassenkameraden vom Dorf waren, die in die Stadt zur Schule kamen, verbrachten sie auch ihre Wochenende auf ihren Dörfern, mit ihren dortigen Cliquen. So war unsere Klasse immer auch gespalten. Meine Clique aus dem Neubaugebiet, so nannte man die Plattenbau-Siedlung oben auf dem Berg, ging gerne zur samstäglichen Disco in dem im Neubaugebiet befindlichen Betrieb, in dessen Großkantine, in deren Großen Speisesaal, alle Möglichen Feiern abgehalten wurden. Vom Fasching über Disko und Betriebsfesten, war alles vertraten. Irgendwann begann auch ich mich fürs Tanzen zu interessieren.

Zu gerne wäre ich ja mit unserer Dorfjugend mit auf die Dorfdiskos mitgekommen, aber das wussten meine Eltern stets zu vereiteln und verbaten mir da. Ich war dennoch neugierig und durfte zwei mal zu einer solchen Tanzveranstaltung. Da ging die Post ab. Es stimmte also, was montags in der Schule erzählt wurde. Da ich ein sehr schüchternes Mädchen war und mir die Tanzwütigen Leute sehr fremd,  tanzte  ich auf diesen Diskos nicht, zu groß war meine Angst vor einer Blamage. Mein Selbstwert war damals gen Null.

Auf den Diskos, in meiner Plattenbausiedlung, fühlte ich mich wohl, alles Gleichaltrige, die ich weitestgehend alle kannte und je öfter ich da war, desto lockerer wurde ich, aber manchmal kam schon die Scham in mir auf, weil meine orthopädischen, kackbraunen Schuhe, nicht mithalten konnten, mit den hübschen Schuhen, der anderen Mädchen und ich zu den hässlichen kackbraunen Schuhe eh nur Hosen tragen konnte, so viel das kackbraun nicht so auf; glaubte ich.

Nun war es ja auch die Zeit, in der ich mich als Frau immer mehr entdeckte und begann zu verstehen, meine weiblichen Reize einzusetzen. Äußerst zaghaft. Ich bewunderte immer die anderen Mädchen, wie forsch sie damit umgingen, Soweit war ich noch lange nicht. Das nun meine weiblichen Rundungen aber auch nicht zu übersehen waren, forderten mich die Jungs gerne zum tanzen auf und ich übte mich im verführen, indem ich meine Hüften sacht schwingen ließ. Viele Jungs wollten mit mir gehen, aber ich hatte große Angst vor den Konsequenzen.

Ich möchte damit sagen: Für Augenblicke war ich frei. Weg von den Fesseln und der Knute der Eltern. Frei sein. Sich frei tanzen. Ich war glücklich in diesen Momenten, bis meine Mutter aufkreuzte und mich abholte, weil es schon Zweiundzwanzig Uhr und fünf Minuten war und ich um Zweiundzwanzig Uhr zu Hause sein sollte. Ich war fünfzehn Jahre alt und ihre Angst, dass ich was mit einem Jungen, wer weiß wie betrunken, anfangen könnte und ich eventuell von einem kaderpolitisch nicht korrekten Jungen schwanger werden könnte, war so extrem, dass sie gar nicht bedachten, wie sehr sich mich in diesen Momenten blamierte. Es gab wochenlang Stubenarrest. Den Montag drauf, schämte ich mich so sehr, zur Schule zu gehen und selbst, wenn ich keinen Arrest bekommen hätte, ich wäre im Leben nicht wieder zur Disko gegangen. Doch meine Clique überredete mich wurde immer wieder mal von meiner Mutter abgeholt, denn ich hatte in dem tanzenden Glück, einfach alles um mich herum vergessen. Irgendwann gewöhnte ich mich an diese Blamagen und ich erinnere mich noch an eine Begebenheit, ich war siebzehn. Ich war wieder zu spät. Meine Mutter kam mit groß aufgerissenen Augen und einem erbosten Blick, vor Wut stampfend in die Disco, zerrte mich vom Tisch weg, an dem ich mit meiner Clique saß, alle lachten sie aus, weil sie mit ihrem aufgesetzten Wutblick und den fast rausfallenden Wutaugen so dermaßen schräg aussah. Ich, leicht beschwipst, lachte mit. Es gab? Na? Ja! Stubenarrest.

 

Enkel anwerben:

Ich bin so heilfroh, dass die Mauer fiel. Jeden Tag sende ich mein heimliches Halleluja gen Himmel und danke den Dingen die da 19989 passiert sind. Warum? Weil es so meinen Enkel erspart wurde, in die evtl. gleiche Erziehungsschiene zu geraten, in die meine Eltern meine Söhne versuchten zu drängen. Letzteren kam zu Gute, dass sie mich als Mutter hatten, die soweit wie es nur ging, diese Stasi-Schiene von ihnen zu weisen… wobei auch das seine Grenzen gehabt hätte. Daran mag ich gar nicht denken und den ach so bösen Faden weiter spinnen. Sowohl meine Enkel, als auch meine Söhne sind, danke des Mauerfalls, die Stasimethosen und ihre Machenschaften vom Halde gehalten worden. Mein Stiefvater hätte sie sich schon „zur Brust“ genommen und auf seine Seite geholt. Ich hätte es kaum verhindern können bzw. der Gedanke, dass sie als Konterrevolutionäre im Knast gelandet wären, weil sie sich immer meiner Worte bewusst gewesen wären, schlimm. Ich darf, wie gesagt, diesen Gedanken bloß nicht weiter spinnen. Daher endet dieses Kapitel hier jetzt auch. Jeder, der mit der Stasi zu tun hatte, wird wissen, was ich meine.

 

Falsche Freunde (hier schreibe ich gerade dran.....)

 

 

 

 

 

Vater

 

Als Kind hatte ich Dir vertraut,

warst mein Vorbild,

mein kleiner Gott.

Ja, ich vergötterte Dich.

 

Ich erinnere mich,

wie wir beide diskutierten,

sangen und lachten.

Vater-Tochter-Glück.

 

Ich, ich liebte Dich einfach nur.

 

Du gabst mir Deine

Liebe und Zuwendung,

fast schon zu viel ...

und ich,

ich glaubte Dir,

war voller Vertrauen

und hatte niemals Zweifel.

 

Später jedoch,

als Frau und Mutter,

begriff ich!

All die Jahre

Meiner Kindheit und Jugend,

hattest Du mich belogen.

 

Deine Liebe war nur geheuchelt,

aus purem Eigennutz, für Dein

Emporsteigen auf der Leiter des

Erfolgs.

 

Da hinein passten meine kindlichen

Gedanken, Phantasien und Gefühle nicht,

ich hatte mich Dir unterzuordnen

und Du ...

Du wusstest es mit „Liebe“ zu verpacken.

 

 

Diese tiefen Wunden auf meiner Seele

 

Heilen nur sehr schwer.

Du hast sie mir zugefügt,

zu leugnen nützt nichts

und dennoch vergebe ich Dir,

um meinen inneren Frieden zu finden.

 

Endlich Frieden,

endlich Stille in mir. 23.10.1997

 

Genosse Stasi-Vater

 

Diese Vergewaltigung

Gehirnwäsche

Seelischer Raub

Körperliche Ausbeutung

 

Umgehen kann man damit lernen

Nur vergessen

Wer kann schon das Gesicht

Seines Peinigers vergessen

 

Wie sollte ich vergessen

Seine Hand, dort,

Wo sie nicht hingehört

 

Wie kann ich Lieben?

Nach all der geheuchelten Liebe?

 

Auf der Seele klaffen Wunden

Sie eitern

Sie platzen auf

Sind nie verheilt

 

Oh nein

Keinen Hass

Das wäre noch zu viel

Gefühl für dich

Genosse STASI-Vater!, 29. Mai 2003

 

Mutter

 

Zeitlebens lechzte ich nach Mutterliebe.

Rang um Streicheleinheiten und so vieles mehr,

wollte seelisch nicht verkümmern,

wollte stark werden und wachsen.

 

Die Erkenntnis, eine Mutter zu haben,

die keine Liebe geben konnte, schmerzte.

Deine Angst vor alledem,

hatte ich sooft gespürt.

 

Mitleid und Mitgefühl für dich durchströmen

meine Seele, mein Herz, meinen Körper.

Tränen benetzen mein Gesicht.

 

Heute lasse ich die Hoffnung

nach Mutterliebe los.

Sehnsucht auf eine Mutter,

die mit ihrer Tochter redet und zuhört,

die einfach nur versteht.

 

Du erwartest von mir Akzeptanz,

willst deinen einengenden Weg nicht verlassen,

kommst keinen Schritt auf mich zu,

verharrst in deinen alten Ängsten.

 

Fühle die alte Kette zwischen uns,

wie sie Glied für Glied,

sich ins Nichts aufgelöst hat.

 

Dieses dunkle Nichts hätte ich so gern gefüllt

mit Liebe – mit Gespräche,

lachen und weinen - reden und zuhören,

sich halten und fallen lassen,

berühren und ansehen.

 

Nur mit dir, geliebte Mutter.

 

Ich fühle mich erlöst,

gelöst, ungebunden - frei.

Nehme dein stummes Nein an,

will dich nicht mehr bedrängen,

gar ängstigen.

 

Mutter und Tochter jedoch

bleiben wir immer.

Egal wie – egal wo., 26.0.1996

 

Kleines Mädchen

 

Du wurdest hineingeboren, in eine Welt,

in der du nicht willkommen warst.

Kein Wunschkind. Bastard.

Wurdest vernachlässigt und ignoriert,

gaben sie dir doch das Gefühl ungeliebt

und unbeliebt zu sein.

 

Es stimmt mich unsagbar traurig,

wenn ich daran denke,

wie sie dich grausam und gedankenlos neckten,

sie dir Schimpfnamen gaben

und sie unglücklich waren, dass es dich gab.

 

Bekamst keine Liebe,

deine  Mutter war nie für dich da.

Doch du – kleines Mädchen,

sehntest dich nach Anerkennung,

nach einer Hand, die dich hielt.

 

So verging Jahr um Jahr,

weintest viele Tränen,

warst stumm geworden,

voller Trauer und Verzweiflung,

wolltest nicht mehr, wolltest gehen,

um zu vergessen – suchtest Erlösung.

 

Doch deine innere Stimme war stärker,

nur so konntest du die Seelenqualen überstehen.

Viele Fragen brannten auf deiner Seele,

wolltest Antworten, um zu verstehen.

 

Kleines Mädchen,

ich nehme dich in meine Arme,

drücke dich ganz fest an mich,

lasse dich meine Wärme spüren,

um dir zu sagen:

es ist schön, dass es dich gibt,

du bist hübsch und klug,

ein wunderbarer kleiner Mensch,

voller Leben und Tapferkeit,

so zart und voller Anmut.

 

Kleines Mädchen – dich liebe ich. 26.01.1998

 

 

 

ER

Diese Stasimasken.

Ihre Fratzen

Heute hinter Masken.

Im Traum sie Hasten.

Verfolgt von ihren Opfern,

denen ich meinen Beifall zolle.

Kommt heraus aus eurer Rolle.

Ihr seid mutig

Ihr seid stark.

Die ihr Ehrbare Menschen ward.

Die Peiniger jedoch.

Heben in ihrem Herzen ein schwarzes Loch.

Dir sage ich noch:

Du hast mich nicht in die Knie gezwungen.

Dies ist Dir NIE gelungen!, 5.7.2011

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